Die Belichtungszeit steuert wie lange Licht auf den Film oder Sensor fällt. Die Belichtungszeit kann theoretisch vom Bruchteil eines Augenzwinkerns (z.B. 1/4000 Sekunde) bis unendlich reichen. Nachvollziehbar, dass eine längere Belichtungszeit tendenziell ein helleres Bild zur Folge hat bzw. dass man bei hellerer Umgebung kürzere Belichtungszeiten wählen sollte. Es steckt jedoch ein bisschen mehr dahinter...
Die Belichtungszeit
Zunächst mal zur Technik: Früher, bei analogen Kameras, wurde die Verschlusszeit tatsächlich über mechanische Verschlüsse gesteuert, die für einen bestimmten Zeitraum - die Verschlusszeit - geöffnet wurde, so dass Licht in die Kamera und auf den Film kommen konnte. Bei Digitalkameras wird in der Regel einfach der Sensor für einen kurzen Zeitraum ein - und wieder ausgeschaltet.
Je länger dieser Zeitraum, desto höher ist auch die Gefahr des Verwackelns.
Im Automatikmodus und/oder der Blendenautomatik sorgt dann die Kamera schon dafür, dass die richtige Lichtmenge auf den Sensor fällt. Bei normalem Tageslicht bewegt sich die typische Belichtungszeit irgendwo zwischen 1/100 Sekunde und 1/1000 Sekunde.
Längere Belichtungszeiten sind zwingend notwendig, wenn es schlicht und einfach zu dunkel ist, um mit einer kurzen Belichtungszeit (und unter "kurz" ist in diesem Zusammenhang zu verstehen, dass bei einer Fotografie ohne Hilfsmittel wie einem Stativ, die Verwacklungsgefahr sehr groß wird) die benötigte Lichtmenge auf den Sensor zu bekommen. In gewissen Grenzen lässt sich hier noch einiges durch die Erhöhung der Lichtempfindlichkeit des Films (bzw. des Sensors), d.h. durch höhere ISO-Zahlen kompensieren, irgendwann ist aber Schluss und ein Stativ muss her. Diesen Fall wollen wir an dieser Stelle nicht weiter betrachten.
Lange Belichtungszeiten
Dennoch gibt es Fälle in denen man als Fotograf längere Belichtungszeiten als notwendig anstrebt. Nämlich immer dann, wenn man mit irgendeiner Spielart der Bewegungsunschärfe einen gestalterischen Effekt erzielen möchte.
Bei einem Foto mit "normaler" Belichtungszeit (siehe oben) werden selbst sich schnell bewegende Objekte nur für den Bruchteil einer Sekunde aufgenommen und erscheinen daher auf dem Foto exakt an der Stelle, an der sie sich in diesem Sekundenbruchteil befanden. Bei längeren Belichtungszeiten befindet sich ein Objekt während der Belichtungszeit nicht an einem Ort, sondern bewegt sich von A nach B. Das bewegte Objekt reflektiert Licht nichtmehr über den gesamten Zeitraum von der selben Stelle, sondern kontinuierlich von verschiedenen Stellen. Der Kamerasensor speichert dies auch entsprechend. Das bewegte Objekt erscheint daher schwächer, dafür an unterschiedlichen Stellen auf dem Bild.
Ein klassisches Beispiel sind Bäche, Wasserfälle oder Springbrunnen. Bei kurzer Belichtungszeit sind die einzelnen Wassertropfen deutlich zu erkennen, bei längerer Belichtungszeit ergibt sich eine weiche, fliessende Masse:
Letztendlich der selbe Effekt führt auch zu einer Glättung des Meeres im folgenden Beispiel, zunächst mit vergleichsweise kurzer Belichtung ist das Meer wellig und unruhig. Im zweiten Beispiel, mit mehreren Sekunden Belichtungszeit, verschwimmen die einzelnen Wellen zu einer einzigen ebenen Oberfläche:
Ein anderer ganz typischer Effekt ist im ersten Bild ganz oben zu sehen. Autos verschwinden und werden nur noch zu farbigen Lichtstreifen entsprechend der Vorder- und Rücklichter.
Ein weiterer nützlicher Anwendungsbereich langer Belichtungszeiten ist Menschen unsichtbar zu machen. Vor bekannten Gebäuden laufen z.B. so gut wie immer Menschen herum. Man möchte aber gerne ein Bild des Gebäudes ohne Menschen haben. Bei entsprechend langer Belichtungszeit erscheinen vorbeilaufende Menschen nur noch für einen Bruchteil der gesamten Belichtungszeit im Bild. Der Hintergrund (das Gebäude) hat wesentlich mehr Zeit, sich "in die Linse zu brennen". Dadurch werden Menschen nur noch zu schemenhaften Geistern oder verschwinden ganz. Im folgenden Beispiel haben sich ein paar Leute während der Belichtungszeit bewegt und wurden zu "Geistern". Diejenigen, die sich nicht bewegt haben erscheinen (fast) normal:
Kurze Belichtungszeiten
Kurze Belichtungszeiten werden immer dann verwendet, wenn man Bewegungen "einfrieren" möchte, d.h. wenn man möglichst wenige Verwischungen durch bewegte Objekte haben möchte. Der erste Springbrunnen oben ist ein Beispiel. Die Belichtungszeit ist so kurz, dass Wassertropfen, die selbst das menschliche Auge nicht wahrnimmt sichtbar gemacht werden. Ein anderes typisches Beispiel sind Sportaufnahmen.
Auch im neben stehenden Beispiel wurde mit extrem kurzen Belichtungszeiten gearbeitet, um den Flügelschlag eines Kolibris einzufangen (Kolibris schlagen bis zu 80 Mal pro Sekunde mit den Flügeln).Belichtungszeit und Motivprogramme
Die günstigeren (und/oder kompakteren) Digitalkameras erlauben es nicht, die Belichtungszeit direkt einzustellen. Motivprogramme sind aber mittlerweile Standard auch bei günstigen Modellen. Die Motivprogramme sind nichts anderes als Voreinstellungen von Belichtungszeit bzw. Blende für bestimmte Situationen.
Dies kann man nutzen. So gibt es in der Regel ein Motivprogramm für Sportaufnahmen. Bei diesem Programm wird die Kamera versuchen (unter den gegebenen Lichtverhältnissen) eine möglichst kurze Belichtungszeit zu realisieren. Zusätzlich lässt sich häufig auch manuell die ISO-Zahl einstellen. Ein höherer ISO-Wert führt zu kürzeren Belichtungszeiten. Entsprechend gibt es auch Motivprogramme, mit denen sich lange Belichtungszeiten erzwingen lassen.
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Aufgrund der unterschiedlichen und vielfältigen Motivprogramme der verschiedenen Hersteller ist ein bisschen experimentieren angesagt, um ungewollte Nebeneffekte auszuschließen.
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