Wozu dient ein Zoom? Jede Wette dass 90% der Kamera-Besitzer sagen: "Um Objekte näher heran zu bringen." Gehörst Du auch zu den 90%? Dann könnte der folgende Artikel interessant für Dich werden. Der Zoom (oder im Fotografenjargon, die Brennweite) spielt nämlich noch eine ganz andere Rolle.
Zugegeben, ein Zoom, Tele oder was auch immer ist eine praktische Einrichtung, ich muss mich nicht wirklich bewegen, komme aber trotzdem näher an das Objekt ran. Das mag bei einem Jaguar, Tiger oder anderen Raubtieren tatsächlich ganz sinnvoll sein, bei einem Baum, Gebäude oder Menschen ist die Gefahr gebissen zu werden aber recht gering. Daher lohnt es sich zumindest bei solchen Motiven, sich ein bisschen Gedanken zu machen, was durch das heranzoomen (und ich meine hier keinen Digitalzoom, sondern echten optischen Zoom) tatsächlich passiert.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass durch das heranzoomen ein Objekt nicht nur "näher" herankommt, sondern auch der Bildwinkel verändert wird. Je näher man heran zoomt, desto kleiner wird der Blickwinkel, je größer das Weitwinkel (d.h. je kleiner die Brennweite), desto größer der Blickwinkel, beim sogenannten Fischaugen-Objektiv kann dies bis annähernd 180° reichen. Insbesondere beim Weitwinkel kommt es dadurch auch zu starken Verzerrungen.
In den folgenden Abbildungen wird der geänderte Blickwinkel schematisch dargestellt. Weiter unten kommen die praktischen Beispiele dazu.
Im ersten Beispiel steht der Fotograf mit einem Weitwinkelobjektiv sehr nah an einem Objekt, um dieses formatfüllend auf den Sensor zu bannen. Ausser dem entfernteren Objekt bekommt er auch noch eine ganze Menge zusätzlichen Hintergrund auf das Bild.

Im zweiten Beispiel ist der Fotograf recht weit entfernt vom (grünen) Objekt, bekommt es durch zoomen aber ebenfalls formatfüllend auf das Bild. Das entferntere (graue) Objekt passt nun aber - durch den verringerten Blickwinkel des Teles nicht mal mehr komplett auf das Bild.

Ein verbales Beispiel: Ich will Tante Erna vor einem Gebäude fotografieren. Nun habe ich zwei (extreme) Möglichkeiten: Entweder möchte ich das ganze Gebäude mit auf das Bild bringen, dann nehme ich ein Weitwinkel, gehe nah an Tante Erna ran und bekomme durch den großen Bildwinkel das ganze Gebäude auf das Bild (und das Gebäude erscheint weit weg). Ich kann mich aber auch weit weg von Tante Erna positionieren, sie heranzoomen und nur einen Bruchteil des Gebäudes auf das Bild bekommen.
Zudem hat der Zoom zur Folge, dass die Perspektive gestaucht wird und dadurch die Objekte auf dem Bild optisch näher aneinander rücken. Anders gesagt, wenn ich mit einem Normalobjektiv zwei 2m von einander entfernte Objekte fotografiere erscheinen diese auf dem Foto auch so, als wären sie 2m von einander entfernt. Je stärker mein Tele (oder Zoom) desto näher aneinander scheinen die Objekte. Dies kann und sollte man natürlich beim fotografieren nutzen und bedenken.
Die folgenden Bilder illustrieren all dies:
Das erste Bild wurde mit einem Weitwinkel (für diejenigen die es Wissen wollen, 18mm entspricht etwa 28mm Kleinbild) aufgenommen. Der Fotograf stand ziemlich nah an dem Busch in der Mitte, der Mannheimer Wasserturm erscheint sehr weit weg. Siehe auch die erste schematische Darstellung oben.
Beim zweiten Bild hat sich der Fotograf vom Busch entfernt, ihn aber dann (in annähernd der selben Größe wie zuvor) ins Bild gezoomt und (mit 200mm = 320mm Kleinbild) fotografiert. Es ist nur ein Ausschnitt des Wasserturms zu sehen aber der selbe Busch (auch wenn ihr's mir nicht glaubt, es ist tatsächlich so) in der selben Größe. Dies entspricht der zweiten schematischen Darstellung oben.
Ich denke dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, dass sich ein paar Schritte lohnen können, je nachdem welche Wirkung ich mit meinem Bild erzielen möchte.
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