Wie kürzlich erst erwähnt, ist das Fokussieren neben dem Verwackeln einer der Hauptgründe für unscharfe Bilder. Richtig Fokussieren ist deutlich einfach geworden, seit es Autofokus-Kameras gibt, falsch fokussieren ist aber leider auch sehr viel einfacher geworden...
Bevor wir uns mit dem Thema "richtig fokussieren" beschäftigen, erstmal eine kurze Erläuterung, was fokussieren überhaupt ist und was die Auswirkungen sind.
Wie auch das menschliche Auge, kann auch eine Kamera-Linse nur einen bestimmten Entfernungsbereich scharf darstellen. Uns, als Menschen, fällt das kaum auf (solange wir nicht Kurz- oder Weitsichtig sind und ohne Brille unterwegs). Die Fokussierung erfolgt fast automatisch, indem wir uns einem bestimmten Objekt zuwenden. Alles was nicht im Fokus ist nehmen wir kaum wahr.
Die Unterschiede seien an folgendem Beispiel dargestellt:
Im linken Bild ist der Fokus auf dem hinteren Heuballen, der vordere Heuballen ist verschwommen und rückt quasi aus dem Blickfeld, genau umgekehrt verhält es sich beim zweiten Bild.
Der Autofokus (Details zum Autofokus kommen in einem anderen Kapitel) funktioniert ähnlich, er fokusiert, das Objekt auf den wir den Autofokus richten. Das ist prinzipiell mal gut. Wir müssen keinen großen Aufwand treiben ein bestimmtes Objekt im Bild scharf zu bekommen, Kamera darauf richten, abdrücken, fertig. Nun ist es leider häufig so dass der Autofokus (Details wie gesagt irgendwann mal) davon ausgeht, dass sich das Motiv in der Bildmitte befindet. Wenn man nun also einen schönen Bildauschnitt gewählt hat, unter Umständen sogar noch ein paar der prinzipiellen Gestaltungsregeln berücksichtigt und abdrückt, ist möglicherweise alles scharf, außer dem eigentlichen Objekt, da sich letzteres eben genau nicht in der Bildmitte befindet.
Irgendwo habe ich ein Bild (kann's leider gerade nicht finden) auf dem man einen Tisch sieht. Links und rechts vom Tisch sitzen meine Bier trinkenden Kumpels... leider alle unscharf, dafür ist die Hauswand, die sich irgendwo weit hinter den Kumpels befindet gestochen scharf. Genau sowas passiert, wenn man vergisst korrekt zu fokussieren.
Vermeiden lässt sich dies ganz einfach: Alle einigermaßen modernen Kameras unterstützen ein sog. Fokuslock. Heißt nichts anderes, als dass Du die Scharfstell-Entfernung speichern kannst, indem Du Dein primäres Ziel in die Bildmitte nimmst, den Auslöser halb durchdrückst - die Kamera stellt scharf - und dann bei weiterhin halb gedrücktem Auslöser die Kamera in die richtige Position bewegst und dann komplett auslöst. Währenddessen zu zoomen oder durch die Gegend zu laufen ist natürlich kontraproduktiv.
Nochmal zu obigem Beispiel: Beim ersten Bild wurde einfach der Ausschnitt gewählt und ausgelöst, damit ist der Fokus hinten. Im zweiten Bild wurde die Kamera zunächst auf den nahen Heuballen gerichtet, fokussiert und dann zum eigentlichen Bildausschnitt bewegt.
Praktische Übung
Suche Dir ein nahes Motiv und einen entfernten Hintergrund, z.B. Deine Freundin/ Deinen Freund und das Wahrzeichen deiner Stadt. Beim ersten Versuch richtest Du die Kamera aus, so dass das Wahrzeichen in der Mitte ist und Deine Freundin am Rand, drücke ab. Deine Freundin wird unscharf sein. Versuche das ganze nochmal indem Du Deine Freundin fokussierst, den Auslöser halb durch drückst, dann die Kamera wieder in die vorige Position bringst und dann abdrückst. Je nach Lichtverhältnissen und Kamera wird das Ergebnis nun Deine Freundin vor mehr oder weniger unscharfem Wahrzeichen sein. Wiederhole diese Experiment mit allem Möglichen (Bäume, Laternenpfosten usw...).
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