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Tipp Nr.02: Vermeide verwackelte Bilder

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Verwackeln und falsche Fokussierung sind die Hauptursache für unscharfe Fotos, die das Vergnügen des Betrachters doch erheblich verringern. In vielen Fällen lassen sich diese Unschärfen recht einfach vermeiden, wenn man ein paar elementare Techniken und Tipps beachtet und beherrscht.

Um es vorweg zu nehmen, Unschärfe ist nicht immer schlecht, sondern ist ganz im Gegenteil ein wichtiges gestalterisches Element in der Fotografie. Bevor wir jedoch in die Kunst vorstoßen, sollten wir erstmal das Handwerk lernen.


Tipp Nr.2: Vermeide verwackelte Bilder

Unser Auge nimmt in kürzester Zeit massenhaft Informationen auf, die das Hirn sofort verarbeitet, filtert und zu einem Bild zusammen setzt. Bei einem Foto ist das anders, es ist eine Momentaufnahme genau der Zeit die der Film belichtet wird. Das wird ungefiltert auf die Speicherkarte bzw. den Film geschrieben. Beim späteren Betrachten haben wir keine Möglichkeit diese Schwächen durch irgendwelche Hirn-Algorythmen auszugleichen. Sie fallen uns schonungslos ins Auge.

Verwacklungen lassen sich - entsprechende Lichtverhältnisse vorausgesetzt - sehr einfach vermeiden. Damit beschäftigt sich der folgende Artikel. Bewegungsunschärfe und andere gestalterische Element, die mit "Verwacklungen" arbeiten, werde ich zu einem anderen Zeitpunkt erläutern.

Verwackeln vermeiden

Ein Bild ist verwackelt, wenn während der Belichtungszeit, (vereinfacht also vom Drücken des Auslösers bis das Bild auf dem Sensor angekommen ist) die Kamera bewegt wird. Um Verwacklungen zu vermeiden muss man also nichts anderes tun, als die Kamera still zu halten. Das ist bei hellem Sonnenschein relativ einfach, viel Licht heißt kurze Belichtungszeit, d.h. die Gefahr während diesen wenigen Hundertstel- oder Tausendstelsekunden zu verwackeln ist recht gering. In den allermeisten Fällen sind die Lichtverhältnisse aber nicht so ideal. Um auch in diesen Situationen verwackelfrei zu fotografieren sollte man sich ein paar einfache Verhaltensweisen angewöhnen (und beim Fotografieren immer wieder bewusst darauf achten):

  • Sicherer Stand: ich kann noch so eine ruhige Hand haben, wenn der Boden unter mir schwankt, oder ich wacklig auf einem Bein stehe, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Bild verwackelt. Nicht weil ich die Kamera bewege, sondern weil die Kamera mit mir mit bewegt wird. Also: Beide Beine auf den Boden, gleichmäßig belasten und ruhig stehen. Hauswände o.ä. an die man sich lehnen kann, verleihen zusätzlich Stabilität.
  • Kamera festhalten: Es klingt vielleicht trivial, aber insbesondere bei Kompaktkameras wird man geradezu dazu verleitet einhändig "aus der Hüfte" zu schießen. Aber auch für kleine leichte Kameras - für große Spiegelreflex natürlich sowieso - sollte immer gelten: Beide Hände an die Kamera, die rechte Hand ist am Auslöser und stabilisiert, mit der linken Hand wird auf das Motiv ausgerichtet. Auf Finger vor dem Objektiv oder dem Blitz achten.
  • Arme abstützen: Um die Hand zu stabilisieren den Arm (insbesondere den Linken) locker abstützen, z.B. auf einem Tisch. Wenn keine geeignete Ablage vorhanden ist, den Arm auf der Brust abstützen.
  • Tief einatmen: Vor dem Auslösen tief einatmen und die Luft anhalten. Schon die Auf- und Ab-Bewegung des Oberkörpers, die beim normalen Atmen entsteht kann zu Verwacklungen führen.
  • Sanft auslösen: Ein leichter Druck mit dem Finger auf den Auslöser genügt, bei ruckartiger Bewegung besteht die Gefahr, dass die Kamera verrissen wird.
  • Warten: Nicht schon während des Auslösens wieder dem nächsten Motiv zuwenden, sondern lieber einen Tick länger warten, bis das Bild definitiv im Kasten ist.

Bei konsequenter Beachtung dieser Techniken, sollten bei ordentlichen Lichtverhältnissen verwacklungsfreie Bilder gelingen. Wenn das Licht trotzdem einfach nicht ausreicht und kein Stativ zur Hand ist, gibt es noch ein paar weitere Tricks, die man versuchen kann:

  • Serienbildfunktion nutzen: Die meisten Kameras haben eine Serienbildfunktion, die solange man auf den Auslöser drückt ein Bild nach dem anderen schießt. Mit Hilfe dieser Funktion - und oben beschriebenen Techniken - einfach mal 5 - 10 Bilder am Stück machen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eines - trotz ungünstiger Lichtverhältnisse - gelingt ist relativ groß.
  • Behelfs-Stativ: Jeder hat vermutlich schon mal den Tisch (oder - ganz typisch eine Kirchenbank) als Behelfs-Stativ genutzt. Leider sind Kameras auch Designer-Stücke und deshalb häufig unten nicht eben, d.h. die Kamera wackelt auf dem Tisch mehr, als sie es in der Hand tun würde. Abhilfe kann hier ein weicherer Gegenstand, z.B. ein kleiner Sandsack bieten, der sich an den Kameraboden anpasst, aber nicht zu weich ist. Beim Arbeiten mit so einem Behelfs-Stativ (auch bei echten Stativen) kann es ratsam sein, die Selbstauslöser-Funktion der Kamera zu nutzen, die ungestört von menschlichem Bewegungsdrang das Bild auslöst.

Sind auch diese Möglichkeiten ausgeschöpft hilft wirklich nur noch ein Stativ.

Eine kleine Faustregel noch für verwacklungsfreie Bilder: Man sagt, die Belichtungszeit beim Fotografieren aus der Hand sollte nicht länger sein als 1/Brennweite. Die Brennweite oder der Brennweiten-Bereich ist üblicherweise auf dem Objektiv der Kamera angegeben. Die Brennweite wird größer, je näher man an ein Objekt heranzoomt, d.h. desto kürzer sollte die Belichtungszeit sein, oder - da man bei Kompaktkameras im Automatik-Modus wenig Einfluss auf die Belichtungszeit hat - die Verwacklungsgefahr steigt bei starkem Zoom deutlich an, umso mehr sind oben beschriebene Tipps zu beachten.

Eingebaute Bildstabilisatoren ermöglichen übrigens grob 2 - 3 mal kleinere Blendenöffnungen, also 4 -9 mal längere Belichtungszeiten ohne zu verwackeln.

Praktische Übung

Such Dir einen grauen Herbsttag aus und geh raus in die Natur oder auf die Strasse. Fotografiere was Dir vor die Linse kommt, aber beachte jeden einzelnen der oben stehenden Tipp.

Zur Auflockerung zwischendurch versuche Bilder bewusst zu verwackeln, in dem Du einen der oben genannten Tipps ins Gegenteil verdrehst, mache ein Bild, wenn Du auf Zehenspitzen stehst und die Kamera hoch über den Kopf hältst, versuche dann das selbe Motiv mit sicherem Stand und beidhändiger Kamerahaltung zu machen. Schau Dir die Bilder zu Hause am Computer an und vergrößere Ausschnitte mit scharfen Kanten, um die Unterschiede deutlicher zu sehen.

Überprüfe Dich selbst beim Fotografieren immer wieder, bis Dir die regeln in Fleisch und Blut übergegangen sind.

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