Die meisten Bilder werden im Querformat geschossen. Das ist natürlich, denn das Querformat entspricht der menschlichen Sehweise. Fernsehen, Kino, selbst eine aufgeschlagene Zeitschrift sind letztendlich Querformat. Dementsprechend sind die meisten Kameras auch so konstruiert, dass bei normaler Handhaltung quasi automatisch ein Querformat-Bild produziert wird. Aber ist das immer die beste Wahl?
Einleitung
Eine der Hauptregeln des Fotografierens ist "Fotografiere formatfüllend!". In vielen Fällen leitet sich daraus auch ab, welches Format zu verwenden ist. Ein Turm, der schmal aber hoch ist passt nunmal nicht in ein Querformat und ein menschlicher Kopf - mag er auch noch so wohlgeformt sein - ist in der Regel doch eher ein Ei, das besser in ein Hochformat passt. Typische Gebäude, Landschaften, Gruppen von Menschen etc... schreien dagegen geradezu nach Querformat, wenn mann nur die "formatfüllend"-Regel beachtet.
Interessant wird die Frage dann, wenn ich mein Motiv sowohl im Quer- als auch im Hochformat einigermaßen formatfüllend in den Bildausschnitt bekomme.
Querformat
Das Querformat ist - aufgrund der natürlichen Sehweise - prinzipiell augenfreundlicher, d.h. normaler und damit angenehmer für den Betrachter. Zudem vermittelt das breite Fundament ein Gefühl von Sicherheit, Stabilität und Ruhe. Das Querformat lädt den Betrachter dazu ein, den Blick im Bild wandern zu lassen (in der Regel von links nach rechts). Horizontale Linien verstärken diesen Effekt noch. Die Landschaftsfotografie ist ein klassisches Beispiel. Landschaften sind ruhig, statisch und der Horizont - als horizontale Linie - verstärkt diesen Effekt noch. Landschaftsfotos wirken dadurch unter Umständen noch breiter als sie tatsächlich sind.
Hochformat
Im Gegensatz zum Querformat ist das Hochformat zunächst unnatürlich, und entspricht nicht dem gewohnten Blickwinkel des Menschen. Dadurch wirkt es häufig bedrohlich und abweisend. Das abgebildete Objekt steht nicht auf einem soliden Fundament und scheint deshalb wackeliger. Horizontale Linien in einem Hochformatbild durchschneiden das Bild und teilen es. Vertikale Linien haben grundsätzlich den Effekt, dass sie für den Betrachter wie eine Barriere wirken, das Hochformat verstärkt diesen Effekt noch.
In der Praxis
Es ist abend, die Sonne geht unter, vor der Kirche (im Gegenlicht) versammeln sich ein paar Leute und geniessen nach der Hitze des Tages den kühlenden Schatten. Der Tag geht friedlich und entspannt zu Ende. Es ist abend, die Sonne geht unter, hinter der Kirche (im Gegenlicht) ziehen sich bedrohliche Gewitterwolken zusammen. Nach der Hitze des Tages wird sich in Kürze ein gewaltiges Gewitter entladen, der Tag geht mit prasselndem Regen und Donnergrollen zu Ende.
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