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Tipp Nr.04: Erst Denken, dann Schauen, dann Fotografieren

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Manchmal gelingen gute Schnappschüsse... meist weil der Fotograf sein Handwerk beherrscht. In der Regel leiden spontane Fotos aber unter technischen Problemen oder vermitteln nicht das, was beabsichtigt war.

Für die allermeisten guten Fotos muß man ein klein bisschen Zeit mitbringen. Eine wichtige Regel beim Fotografieren lautet daher:


Tipp Nr.04: Erst Denken, dann Schauen, dann Fotografieren

Stell Dir als allererstes die Frage "Was will ich fotografieren".

Die Frage klingt einfach, ist aber häufig recht schwer zu beantworten. Spontan würdest Du wahrscheinlich antworten : Den traumhafte Strand, den exotischen Markt, die imposante Kathedrale, die ausgelassenen Freunde.

Anders gesagt, Du möchtest ein bestimmtes Objekt (den Strand) fotografieren, mit dem Du aber etwas verbindest (er ist traumhaft schön). Die Frage ist, ob der Strand noch so schön ist, wenn Dir nicht die Sonne auf den Rücken brennt, Du das Meeresrauschen nicht hörst, Du keine Pina Colada in der Hand hast und keine Reggea-Musik gespielt wird.

Wenn Du bevor Du auf den Auslöser drückst überlegst, was Du denn tatsächlich Fotografieren willst, was du dem Betrachter vermitteln willst, wird Dir vielleicht klar, dass eine kleine Änderung des Bildausschnitts dieses Strand-Feeling viel besser rüber bringen könnte. Du könntest Deinen Blickwinkel so wählen, dass neben dem Strand auch die sich brechenden Wellen des Meeres sichtbar sind. Vielleicht kannst Du auch noch die Sonne (wenn nicht zu hell) oder einen Rasatafari mit Pina Colada im Bild unterbringen.

Ich versichere Dir, beim ersten Bild (der Strand) sagt ein Betrachter der nicht dabei war vielleicht "tja, nett", beim zweiten "Hey, klasse Karibik-Feeling". Vielleicht geht es aber gar nicht, den Sonne, Strand, Meer und Rastafari auf ein Bild zu bekommen, mal abgesehen davon, dass das auch etwas überladen wirken könnte. Vielleicht kommst Du zu dem Schluss: Eigentlich ist das entscheidende die coole, bekiffte Reggea-Stimmung hier, also machst Du ein Bild vom Rastafari (evtl. mit Strand im Hintergrund), oder Du willst tatsächlich immer noch diesen lange weißen Strand fotografieren, dann such Dir eine Position, wo der Strand auch wirklich lang wirkt, also nicht frontal zum Meer, sondern von unten am Meer, so dass sich der Strand vom linken unteren zum rechten oberen Eck des Bildes durchzieht.

Nachdem Du nun Dein Motiv bestimmt hast, kommt der zweite wichtige Punkt, schau durch den Sucher bzw. auf das Display und scanne das komplette Bild, ob es störende Elemente gibt. Klassiker ist der Baum, der aus dem Kopf der Oma wächst, Stromleitungen die vor dem Motiv hängen etc...

Das menschliche Hirn ist dummerweise (in diesem Fall) ziemlich clever und versteht sich hervorragend darauf, Dinge die wir nicht sehen wollen auszublenden. Hinzu kommt noch, dass wir zwei Augen haben, die Kamera nur eines. Neben dem dreidimensionalem Sehen, dass der Mensch drauf hat, die Kamera aber nicht, haben wir dadurch sozusagen immer ein Backup, das Hirn kann steuern welche Daten es benötigt.

Du kannst das ganz einfach nachvollziehen: Strecke einen Finger und halte ihn ein paar Zentimeter vor deine Nase. Du kannst problemlos diesen Text weiter lesen, nach einer gewissen Zeit "vergisst" Dein Hirn fast, dass da etwas im Wege ist. Wenn Du jetzt ein Auge schließt, hast Du den Kamerablick... und es ist unmöglich, um den Finger herum zu gucken, was dahinter denn geschrieben steht. Versuche also ganz bewusst das Display nach störenden Elementen abzusuchen, häufig lassen sich diese durch einen kleinen Kameraschwenk verbergen oder so verrücken, dass sie nicht mehr stören.

Hol tief Luft, halte die Luft an, korrigiere evtl. nochmal den Ausschnitt und drücke dann vorsichtig ab und warte ab, bis das Foto geschossen ist (mehr zu letzterem bei Gelegenheit zum Thema "Verwackelfreies fotografieren".

 

 

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@strobist brillant. Thanks. Didn't go back that far in the archive



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