Reflektierende Objekte zu Fotografieren ist für viele (Hobby-) Fotografen das große Grauen. Sei es der sich in der Fensterscheibe spiegelnde Blitz oder die Küchenlampe auf der Weinflasche... irgendwie sind immer die falschen Reflexionen an der falschen Stelle. Dabei ist es recht einfach damit umzugehen, ein bisschen Verständnis von Licht und wie es sich bei unterschiedlichen Materialien verhält vorausgesetzt.
Tipp Nr. 27: Umgang mit Reflexionen
Ich will mich nicht lange mit Theorie aufhalten (die kann man bei Light: Science & Magic nachlesen)... Alle Materialien reflektieren Licht (wenn wir einen Gegenstand sehen, sehen wir tatsächlich das vom Gegenstand reflektierte Licht). Es gibt diffuse Reflexionen die - egal aus welchem Blickwinkel betrachtet - immer gleich hell erscheinen (z.B. ein weißes Blatt Papier) und es gibt echte Reflexionen, die gemäß dem Prinzip "Einfallswinkel gleich Ausfallwinkel" alles 1:1 spiegeln, d.h. je nachdem aus welchem Blickwinkel ich einen Gegenstand betrachte sehe ich die Lichtquelle oder eben nicht. Die meisten Materialien sind eine Mischform. Ich will da ganze an einem einfachen Fallbeispiel demonstrieren. Wir fotografieren eine IPhone-Rückseite auf einem Blatt Papier. Das Iphone hat ein stark reflektierende Oberfläche, das Papier reflektiert diffus... Der künstlerische Wert des Ganzen sei mal dahin gestellt. Es geht um's Prinzip.
Im ersten Beispiel ist dies deutlich zu sehen. Die Lichtquelle - eine einfache Schreibtischlampe - wird auf der Rückseite des Iphones stark reflektiert. Auf der schwarzen Oberfläche spiegelt sich die Schreibtischlampe, allerdings etwas verdunkelt, das Logo - der Apfel - reflektiert nahezu vollständig (d.h. das Licht der Reflexion ist annähernd so hell wie die Lichtquelle) und der Hintergrund - das Papier - ist durchgängig weiß.
Nun haben wir ja oben gelernt, dass echte Reflexionen nur aus einem bestimmten Winkel zu sehen sind. Wie beim Billard. Unser Auge ist das Loch, in das die Kugel muss, die Schreibtischlampe entspricht der Kugel und das Iphone ist die Bande. Nur wenn die Kugel (das Licht) im richtigen Winkel gegen die Bande (das Iphone) gespielt wird, trifft sie ins Loch (das Auge). Eine leichte Verschiebung der Kameraperspektive oder der Lichtquelle ändert den Winkel so, dass die Reflexionen auf dem Iphone verschwinden. Leider ist damit auch das Apple Logo nicht mehr zu sehen, da dieses (fast) ausschließlich von Reflexionen lebt.
Es ist klar, in diesem Fall ist die Spiegelung notwendig, wir wollen das Apple Logo leuchten sehen. Wir wollen aber keine Schreibtischlampe als Spiegelung auf dem Iphone. Die Lösung ist simpel: Wir müssen die Lichtquelle verändern, so dass die Schreibtischlampe nicht mehr zu erkennen ist, die reflexion aber erhalten bleibt. Ein Blatt weißes Papier - zwischen Lampe und Iphone gehalten - schafft Abhilfe. Nun wird nicht mehr die Schreibtischlampe, sondern das Papier vom Iphone reflektiert. Das Apple Logo wirkt nun schön ausgeleuchtet, in Wirklichkeit reflektiert es ein beleuchtetes Blatt Druckerpapier. Leider führt das Blatt Papier auch dazu, dass alle anderen Bildbereiche - vor allem der Hintergrund - weniger Licht abbekommen.
Der nahe liegende Weg wäre nun, das Blatt Papier so zu zu schneiden, dass es exakt auf die Spiegelung auf dem Iphone passt, den Hintergrund aber unberührt lässt. Theoretisch wäre das denkbar, praktisch ist es aber sehr schwer umsetzbar. Auf dem Bild links ist schön zu sehen, wie durch ein kleineres Papier nur auf einem Teilbereich des Iphones reflektiert wird.
Mit dem Wissen um die Materialbeschaffenheit und deren Reflexionseigenschaften gibt es aber eine einfache weitere Möglichkeit, den Hintergrund aufzuhellen. Das echt reflektierende Iphone, reflektiert (fast) ausschließlich Licht aus einem bestimmtem Winkel, dem diffus reflektierendem Hintergrund ist die Lichtrichtung aber egal. Wir können daher eine zweite Lichtquelle ins Spiel bringen, die nur den Hintergrund beleuchtet. Diese zweite Schreibtischlampe muss nur so positioniert werden, dass sie nicht vom Iphone (in Bezug auf die Kamera) reflektiert wird. Da der diffus reflektierende Hintergrund Licht in alle Richtungen abstrahlt, das Iphone aber nur in eine bestimmte Richtung, wird dadurch nur der Hintergrund erhellt.
Das Beispiel mag etwas an den Haaren herbei gezogen wirken und ist in der Realität selten so vorzufinden, da Materialien in den seltensten Fällen komplett diffus oder komplett spiegelnd sind. Es verdeutlicht aber ein paar Punkte:
Diffus reflektierende Materialien sind einfach zu beleuchten, da der Winkel aus dem das Licht kommt keine Rolle spielt.
Spiegelnde Materialien kann ich alleine durch die Ausrichtung der Lichtquelle beleuchten oder eben nicht beleuchten.
Mit dem Wissen, wie sich bestimmte Materialien bezüglich der Reflexionen verhalten, kann ich die Beleuchtung pro Material steuern und damit Gegenstände unabhängig von einander belichten.
Wie geht ihr mit Reflexionen um? Hat euch schonmal eine (ungewollte) reflexion ein Bild versaut?