Es gibt verschiedenste Möglichkeiten Objekte fotografisch frei zu stellen, in freier Wildbahn am häufigsten genutzt wird die Tiefenschärfe, mit ausreichend offener Blende wird der Hintergrund so unscharf, dass das scharfe Motiv als einzig erkennbare Struktur zurück bleibt. Im Studio kann ich mit entsprechenden Hintergründen und Beleuchtungen recht leicht ein Motiv frei stellen. Bei der hier vorgestellten Methode arbeiten wir aber praktisch ohne Hilfsmittel, das Prinzip kann auch auf einem Waldspaziergang wo ich außer der Kamera nichts dabei habe angewendet werden.
Was dem Fotografen normal ein Grauen ist - starke Helligkeitsunterschiede im Bild - nutzen wir hier ganz bewusst. Ich nenne es 2-Ebenen-Belichten, keine Ahnung ob das ein Fachbegriff ist. Die Grundidee dahinter ist, dass ich Motiv und Hintergrund als jeweils eine Ebene sehen kann. Ausreichenden Abstand zwischen den beiden Ebenen vorausgesetzt kann ich beide Ebenen unabhängig von einander belichten und die gefürchteten krassen Helligkeitsunterschiede bewusst herbei führen und für meine Zwecke nutzen.
Das frei stellen funktioniert im Idealfall vor extrem hellem (also weißem) Hintergrund als auch vor maximal dunklem (also schwarzem) Hintergrund. Dies wird im Folgenden an einem Beispiel gezeigt.
Wir beginnen mit dunklem Hintergrund (das ist häufig einfacher). Als Testobjekt wird eine Gerbera auf dem heimischen Balkon genutzt. Der Balkon ist in einen Innenhof gerichtet, auf der anderen Seite des Innenhofes ist ein Haus (mit Wänden, Fenstern, Türen, anderen Balkonen usw...). Es ist Spätnachmittag im Sommer, die Sonne knallt auf meinen Balkon, das Haus gegenüber liegt im Schatten - gute Voraussetzungen. Ebene 1 - die Gerbera - wird hell beleuchtet, Ebene 2 - gegenüberliegendes Haus als Hintergrund ist im Schatten. Den Bildausschnitt so gewählt, dass im Hintergrund Fenster mit herunter gelassenen Rollos liegen, das dürfte der maximale erreichbare Helligkeitsunterschied zwischen Gerbera und Hintergrund sein. Wird die Gerbera nun korrekt belichtet, dürfte der Hintergrund schon ziemlich dunkel sein. Zeigt der Kontrollblick im Kamera-Display noch zu viele Hintergrund-Details, kann ein Blitz oder auch eine nah positionierte Schreibtischlampe die ohnehin schon helle Blüte noch weiter aufhellen und damit - bei korrekter Belichtung der Blume - den Hintergrund noch weiter verdunkeln.Der Hintergrund muss nicht völlig schwarz sein. Es ist vollkommen ausreichend, wenn der Helligkeitsunterschied so groß ist, dass ich in der Nachbearbeitung am PC die dunklen Farben noch weiter abdunkeln kann - so dass der Hintergrund völlig schwarz wird - ohne dass dieses einen Einfluss (oder nur einen sehr geringen) auf mein eigentliches Motiv hat.
Reicht der Helligkeitsunterschied nicht aus, ist also der Hintergrund immer noch nicht wesentlich dunkler als das Motiv gibt es noch eine weitere Möglichkeit: Unterbelichtet fotografieren, so dass der Hintergrund in totaler Schwärze absäuft. Eine spätere Aufhellung in der Bildbearbeitung kann dann aus den Schwarztönen keine Bildinformationen mehr rekonstruieren, aber trotzdem die Blume wieder in vernünftige Helligkeitsbereiche bringen.
Selbe Blume, andere Situation. Es ist morgens, der Balkon liegt im Schatten, die gegenüberliegende Hauswand wird von der Sonne beleuchtet. Wir wählen einen Bildausschnitt, bei dem die weiße Wand als Hintergrund dient. Wieder wird die Belichtung für die Blüte korrekt eingestellt (oder etwas überbelichtet), so dass der Hintergrund annähernd weiß wird, in der Nachbearbeitung können die hellen Töne noch angehoben werden, so dass reines weiß im Hintergrund entsteht.| < Zurück |
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