Zunächst stellt sich natürlich die Frage, wozu Geotagging überhaupt gut ist. Was bringt es? Die Antwort ist: Wie bei anderen Tags oder Schlagworten auch: Die Bilder lassen sich leichter wieder finden. So wie schon lange das Datum und die Uhrzeit des Photos nicht mehr durch das Dateidatum bestimmt wird, sondern durch die im Bild eingebetteten EXIF-Daten, werden immer mehr Bilder mit GPS-Koordinaten versehen. Web-Dienste wie Flickr oder Google Maps können diese dann auswerten und durch ein Fähnchen oder ähnliches darstellen, wo ein Photo geschossen wurde. Umgekehrt kann ich natürlich auch ausgehend von einem bestimmten Ort suchen, welche meiner Fotos (oder meiner Community) im Umkreis gemacht wurden. Ich kann also beispielsweise von zu Hause mein Urlaubsziel erkunden und schon vorab lohnende Fotoziele ausmachen.
Das Schöne am Geotagging ist, dass ich mit relativ einfachen Mitteln und keinem oder geringem Aufwand - im Gegensatz zum mühseligen manuellen Verschlagworten - eine sehr präzise Ortsangabe für meine Fotos zur Verfügung habe.
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Techniken zum Geotagging
Es gibt im Grunde zwei 3 Möglichkeiten Fotos mit Geotags zu versehen:
- vollautomatisch: Die Kamera hat einen eingebautes GPS und versorgt die Bilder automatisch. Immer mehr Kompaktkameras besitzen einen eingebauten GPS-Chip und natürlich viele Smartphones (wie das IPhone). Wer so eine Kamera sein eigen nennt kann hier aufhören zu lesen. Digitale Spiegelreflexkameras (insbesondere die von Nikon eingeschränkt Canon) haben teilweise Schnittstellen, die - über ein Zusatzmodul, das in der Regel auf den Blitzschuh aufgesteckt wird - GPS-Daten empfangen und direkt in das Bild einbetten können.
- teil-automatisch: Die komfortable Variante: Externe GPS-Logger - meist ebenfalls auf den Blitzschuh aufgesteckt - zeichnen die aktuelle Position auf, wenn ein Bild geschossen wird. Über spezielle Software werden dann die Bilder (anhand des Zeitstempels von Bild und GPS-Aufzeichnung) mit den Geodaten versorgt. In der weniger komfortablen Variante ist der GPS-Logger nicht mit der Kamera verbunden sondern zeichnet regelmäßig die aktuelle Position auf. Auch hier kommt Software zum Einsatz um Bild und GPS-Position zusammen zu bringen, das Tagging ist aber unter Umständen nicht so präzise, da die Position nicht notwendigerweise in dem Moment geloggt wird, in dem ein Bild geschossen wird.
- manuell: Spezielle Programme ermöglichen es Koordinaten beispielsweise aus Google Earth auszulesen und manuell einem Foto zu zu weisen.
Da Variante 1 trivial ist und Variante 3 keine ernsthafte Alternative darstellt werde ich im Folgenden die zweite Variante - und da einen besonders nahe liegenden Fall - näher betrachten.
Geotagging in der Theorie
Viele von uns tragen ihren GPS-Logger bereits ständig mit sich herum (und - wie die IPhone-Besitzer kürzlich erfahren haben, zeichnen die mehr auf als man manchmal möchte). Ich spreche natürlich vom Smartphone, egal ob HTC, Samsung, IPhone oder Nokia, fast alle aktuellen Smartphones haben einen GPS-Chip mit an Bord und der lässt sich mit der entsprechenden App nicht nur zur Navigation nutzen sondern auch um Routen auf zu zeichnen.
Abhängig vom genutzten Smartphone gibt es verschiedene Apps, die das Aufzeichnen einer Route ermöglichen. Ich persönlich nutze die App von everyTrail, die sowohl für IPhone als auch für Android-Handys kostenlos verfügbar ist. Wichtig ist, dass die App eine Möglichkeit hat, die Route als GPX File zu exportieren. Das GPX File enthält im Wesentlichen die regelmäßig aufgezeichneten Positionen mit einem Zeitstempel. Mit einer entsprechenden Software werden die Daten aus der GPX-Datei mit den Photo-Zeitstempeln abgeglichen und so die Positionsinformationen in die Bild-Metadaten geschrieben. Die am meisten verbreitete Software für den Abgleich der GPS-Daten mit den Bildern ist das kostenlose Kommandozeilen-Tool EXIFTools von Phil Harvey. Komfortablere Programme, wie Geosetter oder das im nächsten Abschnitt näher beschriebene Lightroom Plugin Geoencoder Support nutzen im Hintergrund ebenfalls die EXIFTools, bieten aber eine komfortable Benutzeroberfläche.
Geotagging in der Praxis - IPhone und Adobe Lightroom
Ich habe ein IPhone und nutze Adobe Lightroom zur Bearbeitung meiner RAW-Fotos, daher ist es naheliegend, dass ich genau diese Kombination auch zum geotagging nutze. Wie oben beschrieben gibt es aber auch ähnliche Möglichkeiten für andere Smartphones und/oder Bildbearbeitungsprogramme.
Eine Schwierigkeit beim Geotagging mit GPS-Loggern die völlig unabhängig von der Kamera arbeiten ist der Zeitstempel. Wenn GPS-Zeit und Foto-Zeit nicht zusammen passen klappt das Tagging möglicherweise nicht. Der erste Schritt ist daher der Uhren-Abgleich. Die GPS-Zeit wird normalerweise vom Satelliten bezogen und ist exakt... Mein IPhone und meine Kamera sind nicht exakt. Um den Abgleich einfach zu bewerkstelligen fotografiere ich zunächst mein IPhone, auf dem die App "GPS Time" läuft. Damit habe ich sowohl die Atomzeit (auf dem Bild) als auch meine Kamerazeit (in den EXIF Daten) zur Verfügung und kann die Differenz leicht ausrechnen. Die Differenz kann später beim Tagging mit angegeben werden und das Programm berücksichtigt automatisch, dass das Bild das ich (laut EXIF Informationen) z.B. um 15:05 Uhr geschossen habe an der Position entstand die ich erst (laut GPS Zeit) um 15:07 erreicht habe.
Danach wird die Routen-App (wie gesagt in meinem Fall "Everytrail") auf dem Iphone (mit hoffentlich voll aufgeladenem Akku) gestartet. In den Einstellungen kann noch angeben werden in welchen Abständen (in Metern) Informationen aufgezeichnet werden sollen. Der Abstand sollte nicht zu klein gewählt werden, sonst überfordert die Datenmenge die App, wird der Abstand zu groß gewählt, leidet die Genauigkeit. Die "richtige" Einstellung hängt natürlich auch stark von der gewünschten Genauigkeit ab. Fotografiere ich Blumenbeete im botanischen Garten, will ich vielleicht später die einzelnen Beete zuordnen können, Bei einer Bergwanderung reichen mir vermutlich viel grobere Informationen. Weniger als 10m erscheint wenig sinnvoll, da GPS ohnehin nur auf etwa 10m genau ist. Bei einer Radtour von 100km sind 10m aber sicherlich ein viel zu geringer Abstand. Sind die Einstellungen angepasst, wird die Tour gestartet und das IPhone kann im Rucksack verschwinden (aber möglichst so, dass noch GPS-Signale zu empfangen sind) und die Tour kann losgehen.Während der Tour muss ich mich eigentlich nicht um das IPhone kümmern. Ich mache meine Fotos wie gewohnt. Es ist keine gute Idee, bei einer Pause - wenn man sich ohnehin nicht bewegt - die App ebenfalls auf Pause zu stellen um Strom zu sparen. Die App weiß dann nicht, wo ich mich während der Pause aufgehalten habe und die Fotos, die ich in der Pause mache können keiner Position zugeordnet werden.
Nach Ende der Tour wird auch in EveryTrail die Aufzeichnung beendet. Um die Tour auszuwerten kann ich sie nun öffentlich oder privat auf den EveryTrail Server hochladen (ein kostenloser Account muss dazu eingerichtet werden). Am heimischen PC kann ich mir dann von der EveryTrail-Webseite eine GPX-Datei mit den Routen-Informationen herunterladen.
Da ich grundsätzlich im RAW-Format fotografiere ist Adobe Lightroom mein primäres Bildbearbeitungsprogramm. Das Geoencoder Support Plugin ermöglicht es Bilder direkt in der Lightroom-Oberfläche mit GPS Informationen zu versehen. Nach dem Importieren der Bilder von der Kamera werden alle neu importierten Bilder markiert und das Plugin gestartet (etwas umständlich über Datei - Zusatzmoduloptionen - Geoencode...). Auf dem Reiter "Geoencode from Tracklog" kann ich nun die gerade von Everytrail heruntergeladene GPX-Datei auswählen. Zudem gebe ich die aufgrund des Uhrenvergleichs (siehe oben) ermittelte Differenz von GPS- und Kamerazeit an. Danach kann ich das Geoencoding starten. Das Plugin ermittelt automatisch für alle Bilder die zugehörige Position. Diese ist zunächst nur in Lightroom in sogenannten "Shadow GPS" Daten verfügbar. Auf dem Reiter "Write Data Back" kann ich die Daten jedoch auch direkt in das Bild schreiben. Zudem kann ich, wenn ich Lightroom Bilder exportiere mit angeben, ob die "Shadow GPS"-Daten in das exportierte File geschrieben werden sollen.Fazit
Mit IPhone und Lightroom ist es ohne großen Zusatzaufwand mit kostenlosen Tools möglich den Fotos Geotagging-Informationen hinzu zu fügen. Der Aufwand die Bilder manuell mit Geo- oder Ortsinformationen zu versehen wäre in jedem Fall erheblich höher. Ich kann die Vorgehensweise nur empfehlen und werde in Zukunft nur noch mit aktivem Geotracker durch die Gegend laufen.
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