Oma und Opa bekommen jedes Jahr zu Weihnachten einen Fotokalender mit Bildern ihrer Enkel. Die Auswahl der Bilder ist relativ einfach, Im Januar gibt es Bilder, die im Januar geschossen wurden, im Februar Bilder aus dem Februar... Für Januar wähle ich nun beispielsweise Bilder der Kinder beim Schlitten fahren aus. Nun sollen die Bilder aber nicht einfach mehr oder weniger automatisch auf weißem Hintergrund angeordnet werden, sondern ein Hintergrundbild muss her. Ich stelle mir eine Schneelandschaft vor. Ich könnte nun die letzten 10 Jahre November bis März durch klicken und nach einer Schneelandschaft suchen. Da ich meine Bilder aber konsequent mit Schlagworten versehen habe, kann ich in der Bilderverwaltung meiner Wahl auch nach "Winter" und "Landschaft" suchen und finde das gewünschte Bild viel schneller.
Bildern Schlagwörter zu zu ordnen ist ein sehr aufwändiger Prozess. Insbesondere wenn bereits große Bild-Bestände kategorisiert werden sollen, sind viele Nächte Arbeit vor programmiert. Umso ärgerlich ist es dann, wenn man trotz all dieser Arbeit die Bilder nicht wieder findet. Vor der eigentlichen Verschlagwortung solltest du dir also intensiv Gedanken machen, wie deine Schlagwörter aufgebaut sind. Wenn du einfach nur das Bild in wenigen Begriffen beschreibst, die dir einfallen, wirst du wenig Freude haben.
Die meisten Bildverwaltungsprogramme, seien es die Adobe Produkte Lightroom, Photoshop CS5 oder (das im Übrigen sehr zu empfehlende und vergleichsweise günstige) Photoshop Elements, der Klassiker ACDSee, oder die Produkte von Magix, bieten eine Möglichkeit einen sogenannten Schlagwort-Katalog aufzubauen. Der Katalog ist hierarchisch aufgebaut, so dass ich relativ einfach zu den richtigen Begriffen navigieren kann. Zudem kann ich über die Hierarchie auch übergeordnete Begriffe finden, heißt: ich finde alle Bilder von Onkel Hans auch wenn ich nur nach "Familie" suche. Der Katalog ist dann die Basis für die Zuweisung von Schlagworten zu den Bildern. Innerhalb eines Kataloges gibt es Kategorien (z.B. "Personen") die weiter untergliedert werden (z.B. "Familie", "Freunde", ...) bis auf der letzten Hierarchie-Ebene das eigentliche Schlagwort (z.B. "Onkel Hans") zu finden ist.
Ein Schlagwortkatalog muss zwei Anforderungen erfüllen:
- Ich muss schnell die richtigen Schlagwörter finden
- Ich muss das Bild umfassend beschreiben können
Ein solcher Katalog ist immer individuell, abhängig von deinem Umfeld, deinen Motiven und dem Verwendungszweck deiner Fotos. Ich will aber ein paar generelle Anhaltspunkte geben, wie dein Katalog aufgebaut sein könnte.
Im Normalfall erlauben Bildverwaltungsprogramme eine Suche nach den Informationen, die bereits von der Kamera im Bild hinterlegt werden (in den sogenannten EXIF-Daten). Dabei handelt es sich um Informationen zu Brennweite, Blende, Belichtungszeit, usw... die vermutlich eher selten zum Auffinden eines Bildes genutzt werden, zum anderen aber auch um das Aufnahmedatum. Viele Programme haben eine spezielle Kalender-Ansicht oder ähnliches um Bilder nach Aufnahmedatum zu sortieren und zu gruppieren. Für uns bedeutet das, dass das Datum im Schlagwortkatalog nicht hinterlegt werden muß (auch kein Jahr oder Monat). Diese Infos sind bereit vorhanden.
Über die Jahre haben sich für mich zwei wesentliche Gruppen von Schlagworten heraus kristallisiert:
- Motiv-beschreibende Schlagworte sind die wesentlich umfangreichere Gruppierung, hier sind alle Schlagwörter zu finden, die beschreiben, was im Bild abgebildet ist.
- Fotografische Eigenschaften gibt es wesentlich weniger. Sie beschreiben wie das Motiv abgebildet wurde. Diese werde ich in einem anderen Artikel behandeln.
Bei den Motiv-beschreibenden Schlagworten gibt es ein paar Kategorien, die in bei sehr vielen Bildern genutzt werden, andere Kategorien werden vielleicht nur in wenigen Fällen genutzt.
Hauptkategorien
Zu den häufigsten Kategorien - die häufig auch bereits in Bildverwaltungsprogrammen vorhanden sind - zählen Person, Ort und Ereignis. Mindestens eine dieser Kategorien wird für die meisten Bilder vergeben.
Personen
sind wohl der häufigste Grund zu fotografieren und auch der häufigste Grund Bilder wieder zu finden. Einige Software Hersteller bieten mittlerweile Funktionen zur Gesichtserkennung in den Bildverwaltungsprogrammen (z.B. Photoshop Elements). Meine Erfahrung ist jedoch bisher (das wird sich aber im Laufe der nächsten Jahre ändern) dass eine manuelle Verschlagwortung schneller und genauer ist. Bei der zu erwartenden Vielzahl an Personen die ich zu katalogisieren habe ist ein weitere Untergliederung sinnvoll. Unter-Kategorien, die sich spontan anbieten sind auf jeden Fall "Familie" und "Freunde".Innerhalb der Familie kann man evtl. noch väterlicherseits und mütterlicherseits o.ä. unterscheiden, darunter kommen dann die konkreten Namen, ob man diese nun als "Onkel Hans" oder "Hans Müller" angibt bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen. Manche Programme, z.B. Lightroom ermöglichen die Angabe von Synonymen, das heißt im Katalog hätte ich "Onkel Hans" mit dem Synonym "Hans Müller". Die Suche könnte ich dann "Onkel Hans" oder "Hans Müller" angeben und würde jeweils die selben Bilder finden.
Bei den Freunden bietet es sich an nach "Lebensabschnitten" zu untergliedern, also z.B. "Schule", "Studium", "Job" und darunter dann die Namen. Weitere Unter-Kategorien können auf Aktivitäten wie "Sportverein" bezogen sein. Wichtig ist, dass ich mich bei den Schlagworten nicht verzettele. Für meinen Kumpel Kalle, mit dem ich jeden Abend durch die Stadt ziehe, werde ich sicherlich ein Schlagwort anlegen. Mick, der ab und zu dabei ist, aber mir eigentlich nichts bedeutet wird einfach unter "Freunde" abgelegt.
Eine Kategorie "Fremde" macht - etwas widersprüchlich zu gerade gesagtem - aber auch Sinn. Gerade in ungewöhnlicher Umgebung, beispielsweise einem exotischem Urlaubsland fotografierst du vielleicht Leute, nicht weil du eine persönliche Beziehung zu ihnen hast, sondern weil sie anders sind. Mangels eines besseren Begriffes habe ich z.B. die Kategorie "Einheimische". Darunter finden sich dann Kategorien wie Indios, Asiaten usw.
Orte
Auch bei den Orten ist automatisierte Abhilfe in Sicht. Immer mehr Kameras unterstützen sogenanntes Geotagging, das heißt bei der Aufnahme werden die die GPS-Daten des aktuellen Ortes mitgeschrieben, die dann Software-seitig in konkrete Orte aufgelöst werden können. So lange du ohne Geotagging arbeitest bietet sich eine Untergliederung in Kontinent - Land - Stadt an. Wenn es relevant für das Bild ist kommt noch eine weitere Untergliederung hinzu. In München also vielleicht Olympiagelände, Stachus und Marienplatz. Bei der Verschlagwortung der Bilder muss ich mir dann aber wiederum genau überlegen, was relevant für das Bild ist. Wenn ich im Italien-Urlaub eine Makroaufnahme von einer Biene mache, ist es völlig irrelevant, wo ich die Aufnahme gemacht habe. Wenn aber im Hintergrund der schiefe Turm von Pisa zu sehen ist, wird der Ort sehr wohl relevant.
Ereignis
Die meisten Fotos entstehen nicht "einfach so" sondern zu bestimmten Ereignissen. Ereignisse können sein: Feiertage (wie Weihnachten oder Sylvester), Feste (Hochzeiten, Geburtstage, Weihnachtsfeier), Märkte (Rittermarkt, Weihnachtsmarkt) usw... Auch "Urlaub" kann ein Ereignis sein.Ich würde aber davon absehen, den Italien-Urlaub 2010 als Ereignis zu kategorisieren. Für ein konkretes Ereignis erstelle ich Alben oder eigene Ordner auf der Festplatte. Dort sind dann wirklich alle Bilder des Italien-Urlaubs abgelegt. Mit dem Schlagwort "Urlaub" versehen sind aber nur die Bilder, die tatsächlich irgendetwas mit Urlaub zu tun haben. Die oben schon angesprochene Makro-Aufnahme einer Biene wird nicht als "Urlaub" kategorisiert, wenn sie nicht irgendeinen Bezug z.B. zum Urlaubsort hat. Das selbe gilt natürlich für andere Ereignisse. Wenn ich Bilder von Thomas auf seiner Hochzeit finden möchte, gehe ich in das zugehörige Album und filtere nach der Person Thomas. Wenn ich Thomas auf irgendeiner Hochzeit finden möchte, suche ich nach Person "Thomas" und Ereignis "Hochzeit".
Weitere Kategorien
Es ist ein Vielzahl von weiteren Kategorien denkbar. Ein paar davon, die ich persönlich als wichtig erachte werden im Folgenden erläutert.
Aktivität
Nicht selten wird in Fotos eine Aktivität dokumentiert. Vor allem (aber nicht ausschließlich) wenn ich Personen fotografiere mache ich das nicht nur um der Person willen, sondern vor allem auf Grund der Aktivität. Sei es Tante Erna beim Töpferkurs oder mein Kollege beim Telefonieren. Aber auch die sich drehende Töpferscheibe oder das Iphone des Kollegen können eine AKtivität ausdrücken. Die Kategorie beschränkt sich also nicht auf Personen.Eine Möglichkeit der Unterteilung von Aktivitäten ist "Freizeit" und "Beruf". Allerdings kann es da zu Überlappungen kommen. Mein Sohn beim Fußball spielen ist sicherlich "Freizeit" zu zu ordnen. Für Basti Schweinsteiger ist es (auch) ein Beruf. Bei mir kommen daher nur "echte" Freizeit-Aktivitäten wie z.B. "Drachen steigen lassen" in die Kategorie Freizeit, potentielle Berufe werden in anderen Kategorien erfasst ("Sport", "Kunst" usw...)
Pflanzen und Tiere
Biologen würden mich erschlagen, ich nehme das nicht so genau. Pflanzen werden in Blumen, Bäume, Früchte und Büsche unterteilt (zudem gibt es Schlagwörter wie "Bambus", "Gras" oder "Kaktus" die ich keiner der genannten Kategorien zuordnen kann). Bei den Tieren gibt es Vögel, Insekten, Landtiere und Fische (der Delfin findet sich dann unter den Fischen - natürlich nicht korrekt, aber für meine Zwecke besser geeignet). Wer sich intensiv mit der Pflanzen- oder Tierfotografie auseinandersetzt wird hier sicherlich eine genauere - und korrektere - Unterteilung findenLandschaft
Landschaften sind ein gern fotografiertes Motiv. Seien es Berge, das Meer, der Strand oder ein Wald. Dies sollte bei Landschaftsaufnahmen unbedingt entsprechend festgehalten werden. Auch "Stadt" kann eine Landschaft sein, z.B. beim Foto einer Skyline. Weitere Untergliederungen sind denkbar, beispielsweise können Meer, See, Fluss und Bach zu Gewässern zusammengefasst werden, Berge können Unterpunkte wie Vulkan haben.
Lokation
Als Lokation bezeichne ich ein bestimmtes Umfeld unabhängig vom tatsächlichen Ort, wo es sich befindet. Besipiele sind Zoo, Spielplatz, Park, Hafen usw... Ein wichtiger Unterpunkt der Lokation sind Gebäude. Hier finden sich Kirchen, Burgen, Schlösser, Wolkenkratzer, Brücken usw...
Tageszeit und Jahreszeit
Auch wenn die Kamera Datum und Uhrzeit aufzeichnet (und die Kamera korrekt eingestellt ist) hilft das nicht unbedingt weiter, wenn ich einen Sonnenuntergang im Herbst suche. Daher werden Bilder bei denen die Jahres- oder Tageszeit relevant ist entsprechend eingeordnet. Die Jahreszeiten (Frühling, Sommer, Herbst und Winter) verstehen sich von selbst. Als Tageszeiten kommen vor allem Sonnenauf- und untergang, Blaue Stunde und Nacht in Frage.
Weiteres
Es sind eine Unmenge weiterer Schlagworte denkbar, "Dinge" beschreibt alles was in keine der oben genannten Kategorien passt, z.B. "Dinge" wie "Werkzeug" oder "Spielzeug" sofern sie relevant für das Bild sind. Wer viele Autos fotografiert hat vielleicht eine Kategorie "Fahrzeuge", unterteilt in Oldtimer, Latwagen und ähnliches.
Wie oben gesagt, Schlagwortkataloge sind immer individuell und werden sich mit der Zeit verändern und immer besser werden. Der beste Schlagwortkatalog nutzt aber nichts, wenn du ihn nicht konsequent anwendest. Ich habe mir angewöhnt unmittelbar nach dem Importieren der Bilder von der Kamera zuerst einmal schnell durch alle neuen Bilder zu gehen, unbrauchbares zu löschen und alles ander sofort mit Schlagworten zu versehen. Damit stelle ich sicher, dass ich das nächste Mal das richtige Bild für Omi & Opi schnell finde.
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