Wenn wir Objekte fotografieren wollen, die sich schnell bewegen (und dazu zählen fallende Gummibärchen) sprechen wir von Highspeed- oder Kurzzeit-Fotografie. Highspeed Fotos kann man auf zwei Wegen erzielen: Eine Möglichkeit ist, mit einer teuren Kamera und viel Licht mit sehr kurzen Belichtungszeiten fotografieren und damit schnelle Bewegungen einfrieren. Die einfachere und kostengünstigere Möglichkeit ist aber, das Objekt bei normaler Belichtungszeit nur sehr kurz zu beleuchten, mit anderen Worten: Einen Blitz in der (relativen) Dunkelheit zu verwenden. Ein Blitz leuchtet nur etwa 1/1000 Sekunde (bei voller Leistung, bei geringerer Leistung noch weitaus kürzer), egal ob meine Kamera 1/250 oder 2 Sekunden belichtet. Wenn keine andere Lichtquelle da ist, ist mein Gummibärchen also nur für 1/1000 Sekunde (oder kürzer) sichtbar.
Dem Blitz kommt nun die Aufgabe zu, die gesamte Szenerie zu beleuchten. Ein eingebauter Kamerablitz, aber auch ein Aufsteckblitz wird nur zu unzureichenden Ergebnissen führen. (Mindestens) ein externer - entfesselter - Blitz ist notwendig. Geeignete Blitze, wie z.B. den YN 460 II von Yongnou gibt es schon für weniger als 50 Euro, die passenden RF-602 Funkauslöser vom selben Hersteller gibt es für noch weniger Geld.
Die verwendete Kamera sollte eine manuelle Einstellung von Blende und Belichtungszeit erlauben. Mehr dazu später, beginnen wir mit dem Aufbau.
Als "Planschbecken" nutzen wir ein möglichst großes Glas, eine Blumenvase oder ähnliches. Um Verzerrungen zu vermeiden wäre ein eckiger gläserner Behälter ideal. Wer den Aufwand nicht scheut, kann gerne die Fische aus dem Aquarium in die Badewanne umsiedeln. Das Planschbecken steht auf weißem Untergrund, sonst würden Spiegelungen des Tisches an der Wasseroberfläche entstehen.
Die Kamera wird auf einem Stativ so positioniert, dass die Ränder des Glases nicht im Bild sind. Wo die Wasseroberfläche im Bild positioniert ist (oberes oder unteres Drittel oder auch mittig) ist eine Sache des persönlichen Geschmacks, die Kamera sollte aber gerade ausgerichtet sein. Ob Hoch- oder Querfomat zum Einsatz bleibt die ebenfalls selbst überlassen. Die Kamera sollte leicht oberhalb der Wasseroberfläche oder genau auf Wasseroberflächen-Level positioniert sein.
Als Hintergrund verwenden wir eine weiße Fläche. Ein provisorisch angebrachtes Blatt Kopierpapier ist vollkommen ausreichend. Um einen rein weißen Hintergrund zu erhalten bietet es sich an, dieses von hinten an zu blitzen oder alternativ einen weißen Hintergrund hell zu beleuchten.
Hintergrundbeleuchtung alleine führt normalerweise zu "Scherenschnittbildern", da an den Stellen wo unser Objekt zwischen Lichtquelle und Kamera liegt kein Licht auf den Sensor kommt. Gummibärchen sind etwas transparent, daher erscheinen sie bei Hintergrundbeleuchtung nicht komplett schwarz. Ausreichend ist die Beleuchtung aber noch nicht, daher muss ein zweiter Blitz her, der die Gummibärchen zum leuchten bringt und seitlich in letztendlich beliebigem Winkel zur Kamera positioniert ist. Zu nah an der Kamera positioniert kann es aber zu Reflektionen auf dem Glas kommen, daher ist ein Winkel von nahezu 90° empfehlenswert. Natürlich kann ein ähnlicher Effekt auch mit nur einem Blitz erzielt werden. Zwei Blitze machen es aber einfacher und erhöhen Kontrolle und Flexibilität.
Testen Sie jetzt die meistverkaufte Foto-Software 30 Tage lang kostenlos! Einfach herunterladen!
www.magix.de
Sowohl die Blitze als auch die Kamera werden manuell gesteuert. Die Belichtungszeit wird initial auf die kürzeste Blitzsynchronisationszeit gestellt (im Handbuch nachlesen - vermutlich 1/250 oder 1/500) um möglichst wenig Umgebungslicht eindringen zu lassen. Die Blende sollte so gewählt werden, dass der gesamte "Gummibärchen-Einschlagbereich" scharf abgebildet wird. F8 - F11 sind gute Ausgangswerte.
Nach einigen Versuchen mit Kontrolle am Kameradisplay sollten die Einstellungen für Blende und Blitzintensität der beiden Blitze gefunden sein. Nun fängt die Arbeit an. Gummibärchen ins Glas werfen, im richtigen Moment auslösen (Profis arbeiten hier mit Lichtschranken, die im richtigen Moment auslösen - ich muss mich auf mein Gefühl verlassen), Ergebnis kontrollieren, Gummibärchen raus fischen, erneut werfen usw... Von etwa 100 Versuchen sind lediglich ein paar Bilder übrig geblieben, die annähernd an das gewünschte Ergebnis heran kommen. Je nach Zielsetzung ist das Ergebnis oben vielleicht ausreichend, ich hatte jedoch ein anderes Bild im Kopf. Ich benötigte mehr Kontrolle über die Gummibärchen. Wie bekomme ich mehr Kontrolle? Erste Idee, war eine Art Rutsche zu bauen, über die die Gummibärchen gezielt ins Glas rutschen, dies erwies sich jedoch nicht als praktikabel. Die finale Lösung liegt eigentlich auf der Hand: Die Gummibärchen müssen zu Marionetten werden. Mit einer Nadel und etwas Bindfaden waren die Gummibärchen schnell "an die Leine gelegt". Um die richtige Dynamik zu erzeugen musste ich die Gummibärchen immer noch ins Wasser werfen. Durch den Bindfaden konnte ich aber weitaus besser kontrollieren in welcher Höhe und wo sie im Wasser auftreffen. 20 Versuche später war das Bild rechts im Kasten. Da der Hintergrund größtenteils weiß ist, war es kein Thema die Bindfäden in Photoshop (oder einem beliebigen anderen Programm) zu entfernen.Gutscheincode: AFN4XGF7S
Einfach auf www.fotopost24.de anmelden, Gutschein-Code im Bereich Mein fotopost eingeben - Fertig!
| Weiter > |
|---|





