Ich will mich gar nicht lange aufhalten. Beim Strobisten kann man im Detail nachlesen, was es mit Position der Lichtquelle und Winkel zum Motiv auf sich hat. Ich will nur zwei wichtige Punkte anführen:
- Licht von vorne, also direkt aus dem Kamerablickwinkel verhindert sichtbare Schatten, daher werden z.B, Oberflächen-Strukturen nicht sichtbar. In der Portraitfotografie wird das unter Umständen bewusst genutzt, um die Haut weicher erscheinen zu lassen. Häufig wirkt das Bild dadurch aber flach und langweilig.
- Licht von der Seite macht - abhängig vom Winkel - Strukturen deutlicher sichtbar und verleiht dem Bild Dreidimensionalität.
Die erste Übung dient genau diesem Zweck. Lerne zu sehen, wie dein Blitz. Suche Dir ein Motiv (das darf gerne anspruchsvoller und künstlerisch wertvoller sein, als ein schmuddeliger Bär auf angefressenem Papier) und beleuchte es aus verschiedenen Winkeln. Mach jedes mal ein Foto vom eigentlichen Kamerastandpunkt und aus Sicht des Blitzes. Keine Herausforderung aber eine gute Übung "sehen" zu lernen. Versuche bei der Übung den Abstand zum Motiv gleich zu halten, so dass die Belichtung mehr oder weniger konstant bleibt. Ich bin bei der Übung insgesamt dreimal um den Bären herumgelaufen und habe etwa bei 22,5° (leicht schräg von vorne), 45° (schräg von vorne), 90° (direkt seitlich), 135° (schräg von hinten), 180° (direkt von hinten) usw... ein Foto geschossen. Einen Teil der Ergebnisse könnt ihr oben sehen. Runde 1 war mit Blitz etwa auf Kamerahöhe, Runde 2 mit dem Blitz deutlich höher und Runde 3 von soweit unten wie mein Lichständer es zuließ.
Außer zu lernen "was der Blitz sieht" ist die Übung auch erster Ansatz das manuelle Blitzen kennen zu lernen und ein Gefühl zu bekommen welche Lichtstärke bei welcher Belichtung notwendig ist. In meinem Fall war der Blitz auf 1/32 herunter geregelt, bei f5,6 und 1/250 - ich nutze fast immer die kürzeste Blitzsynchronisationszeit (im Handbuch der Kamera nachlesen - wird zwischen 1/125 und 1/500 liegen). Die Belichtungszeit spielt für die Ausleuchtung des angeblitzten Objektes keine Rolle (die Zeit die der Blitz leuchtet wird in jedem Fall kürzer sein als die Belichtungszeit), die Blende hingegen schon. Eine offene Blende erlaubt mehr Lichteinfall - auch wenn's nur für die sehr kurze Blitzabbrenndauer ist. Damit lässt sich die recht grobe Abstufung der Blitzleistung noch fine-tunen.
Nachdem wir ein recht einfaches Mittel kennen gelernt haben, Licht und Schatten auf unserem Motiv zu beeinflussen wird es nächstes Mal nicht wirklich schwieriger und trotzdem werden wir dann schon ein Mittel kennen lernen, wie wir durch die Positionierung des Blitzes nicht nur das Objekt, sondern auch den Hintergrund beeinflussen können.
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