Es gibt nicht viele Möglichkeiten das Licht zu kontrollieren, das auf mein fotografisches Objekt der Begierde fällt, aber doch genug um damit eine Unmenge von Variationen zu erzeugen – und das mit nur einem einzigen Blitz. Die wesentlichen Möglichkeiten mit einer Lichtquelle die verschiedensten Effekte zu erzielen will ich – in Anlehnung an den Strobisten – im Folgenden darstellen.
Der Strobist kommt – seiner Aussage nach – trotz intensiver Grübeleien auf nicht mehr als 7 Möglichkeiten das Licht zu beeinflussen. Er ist der Profi, daher ist es wenig verwunderlich, dass ich dem auch keine weiteren hinzu zu fügen habe. Die meisten der Lichtkontrollmöglichkeiten (was für ein Wort :-)) sind auch einem Nicht-Fotografen intuitiv klar. Die allermeisten von uns können sehen und verarbeiten damit laufend die Wirkung von Licht auf verschiedenste Objekte. Unser Gehirn ist allerdings ganz gut darin, dabei Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen, daher wird uns vieles nicht wirklich bewusst. Erst wenn wir uns mit jeder einzelnen Kontrollmöglichkeit beschäftigen, wird uns klar, wie wir damit das Erscheinungsbild unseres Motivs beeinflussen können.
Die Position der Lichtquelle
ist vermutlich die intuitivste der intuitiven Stellschrauben, die uns zur Verfügung stehen. Uns allen ist klar, dass die niedrig stehende Abendsonne einen anderen Schatten erzeugt als die Mittagssonne am Äquator. Ein Blitz direkt von vorne erzeugt praktisch keinen Schatten, seitliches Licht betont Konturen (durch den Schattenwurf). Eine weit entfernte Lichtquelle beleuchtet anders als eine nahe am Objekt positionierte.
Strobist@TEB - Abstand
Der Winkel und die Entfernung vom zu fotografierenden Objekt (aber auch die Entfernung von Objekt und Hintergrund) sprich die Position der Lichtquelle ist also offensichtlich die erste Entscheidung, die ich beim Blitzen treffen muss.
Größe der Lichtquelle
Die Größe der Lichtquelle ist die nächste Schraube an der wir drehen können. Um präzise zu sein ist nicht die tatsächliche Größe der Lichtquelle entscheidend, sondern die wahrgenommene Größe. Um das noch einmal zu präzisieren: Die von unserem Objekt wahrgenommene Größe (Lassen wir mal außer Acht, dass das Wahrnehmungsvermögen eines Holzstücks oder was wir auch immer gerade fotografieren sehr eingeschränkt sein mag).
Klassisches Beispiel: Die Sonne ist unbestritten eine ziemlich große Lichtquelle, da sie aber vergleichsweise weit weg ist, nehmen wir die direkte Sonne an einem klaren Tag als helle, aber recht kleine Lichtquelle wahr. An einem bewölkten Tag hingegen dient der komplette Himmel als Lichtquelle, eine schwächere aber ohne Zweifel große Lichtquelle. Ähnlich verhält es sich mit Blitzen. Ein einfacher Blitz ist eine eher kleine Lichtquelle, sehr nah am Objekt positioniert kann er aber durchaus groß erscheinen. Über eine Wand reflektiert wird er zur großen Lichtquelle mit einer völlig anderen Charakteristik, wenn die Wand aber eine Hauswand ist und ich 500m weit weg auf einer Wiese stehe, ist die Lichtquelle wieder relativ klein.
Die relative Intensität
Die absolute Helligkeit einer Lichtquelle kann ich im Foto über die Belichtungszeit und Blende relativ leicht anpassen. Interessant ist die relative Intensität, also das Verhältnis der Helligkeit unterschiedlicher Lichtquellen, z.B. von Blitz und Umgebungslicht.
Über gezielte Steuerung der Relation unterschiedlicher Lichtquellen bin ich in der Lage völlig unterschiedliche Stimmungen zu erzeugen.
Licht beschränken
Es ist wichtig wo Licht hin fällt... aber genauso wichtig wo es nicht hin fällt. Zeit für spontane Bücherstapel, selbst gebastelte „Gobos“ und „Snoots“ aus Pappschachteln, Alufolie und anderen im Haushalt befindlichen Hilfsmitteln.
Lichtbrechung und -reflexe
Wenn Licht durch eine Linse (oder Alternativ z.B. ein Glas) fällt wird es gebrochen und verhält sich anders als ungebrochenes Licht. Ein Effekt, den man sich zu Nutze machen kann.
Lichtreflexe sind häufig störend – vor allem wenn sie eher zufällig entstehen. Bewusst gesetzt können sie sehr wirkungsvoll sein. Der Strobist hält sich dazu recht bedeckt, daher werde ich hier ein paar Anregungen aus dem (auch sonst sehr empfehlenswerten) Buch Light: Science & Magic nehmen.
Farbe des Lichts
Hast Du schon mal versucht bei Kerzenschein zu blitzen? Normalerweise tötet das die Stimmung komplett (im echten Leben vielleicht nicht, im Foto aber auf jeden Fall). Daher gibt es nette kleine Folien (näheres dazu dann zu gegebener Zeit) die man vor den Blitz pappen kann. Natürlich kann man damit auch noch wesentlich mehr machen, als nur Kerzenscheinstimmung zu zaubern.
Zeit
Der Blitz dauert nur knapp 1/1000 Sekunde, das heißt aber nicht, dass (Belichtungs-)zeit beim Blitzen keine Rolle spielen würde. Umgebungslicht (also alles, was dauernd leuchtet) wird abhängig von der Belichtungszeit einen ganz anderen Einfluss auf das Ergebnis haben.
Im Gegensatz zum Punkt oben – der relativen Intensität – geht es hier nicht um das Verhältnis, sondern darum was ich während der Zeit die ich belichte noch alles anstellen kann.
Damit haben wir im Wesentlichen umrissen, womit ich mich die nächsten Wochen und vielleicht Monate fotografisch beschäftigen werde... Ich freue mich darauf und bin neugierig was dabei rauskommt.
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