Irgendwann (vermute ich) denkt jeder der sich etwas ernsthafter mit Fotografie beschäftigt über das eigene Studio zu Hause nach. Ich auch. Ich habe haufenweise Artikel über das berühmte Baustrahlerstudio gelesen und beschlossen nun mein eigenes Studio zu einzurichten. Auf "Täglich ein Bild" werde ich ab sofort in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen über meine Erfolge und Misserfolge berichten.
Einleitung
Wozu ein eigenes Studio? Sicherlich hat der ein oder andere schon mit der Schreibtischlampe und einem weissen Bettlaken Aufnahmen für Ebay-Verkäufe gemacht und dabei festgestellt, dass man das auch besser hinbekommen könnte. Wie of sieht man in Foto-Communities oder Zeitschriften perfekt ausgeleuchtete Bilder und denkt sich: Mit dem entsprechenden Equipment könnte ich das auch. Wieviele Bilder hast Du auf der Festplatte bei der deine Frau/dein Mann/dein Kind/dein Hund ihr/sein schönstes Lächeln zeigt, das aber totgeblitzt ist? Auch ein Diorama wird im Heimstudio wesentlich besser. Es gibt 1000 Gründe, warum ein eigenes Ministudio Sinn machen kann. Aus meiner Sicht der entscheidende Grund ist aber: Den richtigen Umgang mit Licht (besser) zu lernen: Mit ein entscheidendes Kriterium für ein gutes Foto ist das Licht. Es ist natürlich wesentlich angenehmer die Auswirkungen verschiedener Licht-Situationen zu studieren, wenn ich nur eine Lampe von links nach rechts tragen muss, als wenn ich warten muss bis die Sonne im wieder im Westen steht. Zudem kann ich im Heimstudio das Licht und die Lichtquellen in Anzahl, Farbe und Form beliebig variieren.
Ich habe nicht den Anspruch in meinem Studio wirklich professionelle Bilder zu erstellen. Es soll mehr als Übungsgelände dienen, dass mir dabei hilft Licht und dessen Einflüsse besser zu verstehen um in der echten Welt das vorhandene Licht besser zu nutzen. Wenn dabei ein paar interessante Bilder entstehen: Umso besser.
Die Beleuchtung
Prinzipiell schrecken mich Baumärkte erstmal ab.... Ich gehe nur in den Baumarkt, wenn mal wieder ein Bücherregal von der Wand gefallen ist, weil die Dübel aus dem ALDI-Set nicht gehalten haben. Mich überzeugt auch nicht, dass in diversen Internet-Beiträgen die Rede davon ist, dass so ein Baustrahler schnell mal irgendwo angeschweißt wird oder ein paar Abflussrohre ganz leicht mit einer Schelle zusammen gestöpselt werde. Mit anderen Worten: Ich kann eine Glühbirne rein schrauben, aber meine Handwerkskünste sind eher bescheiden. Daher habe ich mich entschieden mein Heim-Studio nicht mit Baustrahlern auszustatten, sondern mit einer zum einen Energie-sparenden, zum anderen auch nicht sehr teuren Alternative: Sogenannte Tageslicht- oder Foto-Leuchten. Diese Birnen gibt es mit E27-Fassungen, die in jede handelsübliche Lampe geschraubt werden. Eine 25 Watt Birne bietet eine Leistung vergleichbar mit einem 125W Baustrahler. Besonderes Merkmal der Fotolampe ist, dass sie mit eine Farbtemperatur von 5400 Kelvin leuchtet, was auch als Tageslicht bezeichnet wird. Das erscheint in der Wohnung sehr hell, ist aber das Licht, das wir an einem sonnigen Tag vor der Tür finden. Ein weiterer Vorteil der Foto-Leuchte ist die geringe Hitzeentwicklung. Ich muss weder mit feuersicheren Materialien arbeiten, wenn ich z.B. farbiges Licht haben möchte, noch muss ich Angst haben, dass mein Model gegrillt wird.
Die entsprechenden Leuchten gibt es z.B. bei Amazon:
E27 Fotolampe '5400K' für Fotoleuchte
Natürlich stellt sich auch die Frage "Dauerlicht oder Blitz?". Der Blitz eröffnet mehr Möglichkeiten (zum Beispiel beim "Einfrieren" von Bewegungen), die EInschätzung von Lichtsituationen ist aber deutlich einfacher, wenn ich die Auswirkungen (zumindest annähernd) direkt sehen kann. Ich empfehle daher für den Anfänger das Dauerlicht.
Stative, Halterungen und Lichtformer
Die Birnen alleine machen natürlich noch kein Studio. Sie müssen irgendwo befestigt werden und das Licht soll durch bestimmte Hilfsmittel (sogenannte Lichtformer) modifiziert werden. Der Baustrahler-Fan geht nun wieder in den Baumarkt, besorgt sich Halterungen, bohrt und schraubt und dengelt sich die Lampenhalterungen. Dann wird gesägt und geschnitten und eine Softbox dazu gebastelt. Dem begeisterten Heimwerker sei dies gegönnt. Ich persönlich nehme auch hier wieder den Weg des geringsten Widerstandes. Von Dynasun gibt es ein Set bestehend aus einem Stativ inkl. einem Lampenhalter, in das die oben genannten Fotoleuchten einfach rein gedreht werden und einem weissen Schirm zum durchleuchten. Alles was das Herz begehrt zu einem vernünftigem Preis, sicherlich nicht so robust und flexibel wie die Selbstbau-Variante, aber zumindest für den Anfang ausreichend. Das Set ist ebenfalls bei Amazon erhältlich. Da häufig mit (mindestens) zwei Lichtquellen gearbeitet wird, habe ich gleich zwei davon bestellt.
Weitere Klemmsports, ausrangierte Schreibtischlampen o.ä. die zusätzliche genutzt werden finden sich sicherlich im Haushalt.
Sehr empfehlenswert (nicht nur für das Heimstudio) ist natürlich auch ein vernünftiges Kamerastativ.
Zusätzlich können weiße Styropor-Platten, Papier oder mit Alufolie beklebte Kartons als Reflektor verwendet werden.
Hintergründe
Der Fotofachhandel bietet Foto-Hintergründe in beliebigen Farben/Motiven und Preisklassen an. Typischerweise kommen diese in 275cm Breite und werden meterweise verkauft. Da mein Heimstudio (zumindest für den Anfang) im wesentlichen für Table-Top gedacht ist, ist 1 Meter davon völlig ausreichend. Für den Anfang will ich mich auf schwarz und weiss beschränken und erstehe im lokalen Stoffhandel je einen Meter schwarzen und weissen Baumwollstoff, der nicht reflektiert und annähernd blickdicht ist... Für je 9,90 € eine gute Alternative zu den weitaus teureren Produkten im Fotofachhandel.
Baustrahler-Experten empfehlen schwarzen nicht-glänzenden Samt, weil der wohl jedes Licht schluckt... Habe ich nicht (in budgetfreundlicher Form) gefunden. An vielen Stellen wird für weisse Hintergründe Papier von der Rolle empfohlen (um sich das Waschen und Bügeln zu ersparen)... Diese Erfahrung möchte ich selbst noch machen und werde zu gegebener Zeit davon berichten.
Die Location
Ideal für das Heimstudio ist ein hoher, großer, fensterloser Raum, am Besten schwarz gestrichen... Wer nicht das Glück hat über ein Eigenheim mit unbegrenztem Platz zu verfügen, wird es schwer haben einen geeigneten Raum zu finden. Mein Studio wir daher mobil sein... Für Table-Top-Aufnahmen ist der Platz in der Küche ausreichend und hat den Vorteil, dass bereits ein Tisch an der Wand steht. In anderen Zimmern ist wesentlich mehr Platz vorhanden, hier könnte man sich also auch an größere Arrangements (z.B. Portraits) versuchen. Beide Räume können komplett verdunkelt werden, haben aber natürlich jede Menge Möbel und Fenster, die zu ungewünschten Reflexionen führen können, aber da muss ich wohl durch.
Die Bestellung ist auf dem Weg, in Kürze wird mein "Studio" für etwa 100 € eintreffen. Erfahrungen, Tipps und natürlich viele Bilder gibt es dann in Kürze.
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